Tim Hamer

Tappe nicht in die gleiche Falle wie ich früher!

Das ist ein Gastbeitrag von Tim von dubistgenug.de. Er schreibt auf seinem Blog authentisch und von Mensch zu Mensch über die Themen Selbstwertgefühl stärken und mutig leben!

Bei Persönlichkeitsentwicklung geht es so viel um den Weg und so wenig darum, bestimmte Ziele letztendlich zu erreichen. Natürlich ist es ein schönes Gefühl, endlich angekommen zu sein, nachdem du monate- oder sogar jahrelang unterwegs warst.

Doch entsteht die wahre Freude nicht gerade durch diesen langen Weg? Täglich langsam und kontinuierlich einen Fuß vor den anderen gesetzt zu haben. Kommt wahres Wachstum und Freude nicht dadurch, dass wir auf dem Weg so viel Schönheit, aber auch so viele Schwierigkeiten und Herausforderungen wahrnehmen und letztendlich meistern durften?

Das große Missverständnis

Viele Menschen denken, es ginge darum, sich einmal so richtig anzustrengen und dann den Rest des Lebens mit Cocktail in der Hängematte zu verbringen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Persönlichkeitsentwicklung ist eine lebenslange Reise. Nehmen wir diese Reise an und nehmen wir uns als lebenslang Reisender wahr, so steht einem glücklichen und erfüllten Leben nichts mehr im Weg.

Sich auf diese abenteuerliche und spannende Reise einzulassen ist am Ende einer der einfachsten Wege, ein wirklich starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Denn auf dem Weg begegnen wir allerlei großen und kleinen Herausforderungen. Nur wenn wir Reisende sind, die weiter auf ihrem Weg bleiben wollen, können wir diese Herausforderungen auch bestehen. Sie sind die umgestürzten Bäume, die zerfahrenen Straßen und die plötzlichen heftigen Gewitter unserer Reise.

Während wir einen Weg um den umgestürzten Baum herum finden und während wir in einer kleinen Hütte oder unter einem großen, alten Baum Schutz vor dem Unwetter suchen, haben wir die Möglichkeit, in uns hineinzuhorchen. In solchen herausfordernden Situationen haben wir extrem direkten und ehrlichen Zugriff auf unsere wahren Emotionen und Gedanken, die uns im abgelenkten und unbewussten Alltag oftmals verborgen bleiben. Hier kommen sie besonders stark und deutlich zum Vorschein und wir sind gezwungen, uns mit ihnen auseinanderzusetzen.

Daran wachsen wir.

Wir gehen mit Plan an die Sache heran

Sollst du jetzt einfach blind drauflosrennen und Übung nach Übung und Komfortzonenerweiterung nach Komfortzonenerweiterung machen und schauen, was passiert? Nein. Wie jeder erfahrene Reisende wirst auch du dir erstmal eine grobe Route zurechtlegen und schauen, was du am besten alles so in deinen Rucksack packst. In unserem Fall wäre das zu allererst ein großes Päckchen Bewusstheit. Um diese Unwegbarkeiten überwinden zu können und deinen Weg ein wenig weiser fortsetzen zu können ist es unabdingbar, dass du in der Lage bist, alles, was da so hochkommt und sich zeigt, mit etwas Abstand zu beobachten. Die Betonung liegt hier auf beobachten.

Nichts unterdrücken – alles fühlen – Beobachter sein

Ich bin ein großer Verfechter davon, voll in die Emotion hineinzugehen und sie voll zu spüren. Ich würde niemandem raten, auch nur das kleinste Quäntchen einer Emotion nicht zu fühlen oder sogar zu unterdrücken. Gleichzeitig ist es aber auch von allergrößter Wichtigkeit, sich nicht vollständig in diesen Emotionen zu verlieren (außer wir haben ganz bewusst dafür entschieden), sondern als stiller Beobachter einfach da zu sein, hinzusehen und ganz wichtig, nicht zu werten.

So können wir auf dem Weg, mit Hilfe aller großer und kleiner Herausforderungen lernen, und selbst mehr zu akzeptieren. Diese Selbstakzeptanz ist der Schlüssel zu deinem Selbstwertgefühl. Ohne sie ist es nicht möglich, ein starkes Selbstwertgefühl aufzubauen.

Dadurch, dass du dir deine Emotionen und Gedanken so genau ansiehst ohne sie zu werten, akzeptierst du sie automatisch auch. Hier bist du, da sind deine Gefühle und Gedanken. Du siehst sie, du schaust voll hin und nimmst alles an, ohne irgendetwas zu unterdrücken oder abzulehnen.

So kommst du dir selbst jeden Tag mit jeder Herausforderung ein Stücken näher und akzeptierst dich ein Stückchen mehr.

kontinuierliche Herausforderungen

Ich für meinen Teil habe mir immer sehr viele Gedanken darüber gemacht, was wohl andere Leute von mir denken. Ich habe immer versucht, ein möglichst positives Bild zu vermitteln und zehn Mal drüber nachgedacht, bevor ich etwas sage. Das hat natürlich dazu geführt, dass ich nie so richtig tiefgründige Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen konnte.

Ich habe mich dann auf die Reise gemacht und mich meinen Herausforderungen gestellt. Ich habe mich ganz bewusst Situationen ausgesetzt, in denen ich zweifelsohne der Meinung anderer schonungslos und sehr direkt ausgesetzt war und habe dann geschaut, was ich fühle und was ich denke (Stichwort Rede halten und U-Bahn). Ich habe das nicht nur einmal gemacht, sondern kontinuierlich immer und immer wieder. So hatte ich irgendwann ein ganz genaues Bild davon, was da in mir abgeht. Welche Glaubenssätze am Werke sind und wie genau ich mich fühle und auch handle. Das habe ich beobachtet – und angenommen. Dadurch ist meine Angst in den Keller gegangen und ich habe gelernt, mich selbst viel mehr zu akzeptieren.

Vorher war da nur dieses dumpfe Gefühl der Unsicherheit und Sprachlosigkeit. Jetzt weiß ich genau, wer ich bin und wie ich reagiere – und das ist auch vollkommen in Ordnung so.

Dieses Kapitel ist aber noch lange nicht abgehakt. Ich befinde mich dort immer noch auf der Reise und lerne mich Tag für Tag immer besser, tiefgründiger und intensiver kennen und vor allem auch akzeptieren. So steigere ich Tag für Tag das Gefühl, was ich für mich selbst habe – mein Selbstwertgefühl.

Also denke bitte nicht, dein Selbstwertgefühl zu steigen wäre eine einmalige Hau Ruck Aktion. Du liest einmal ein Buch und sprichst ein wenig positiv mit dir und zack – Selbstwertgefühl deluxe. So läuft es leider nicht. Deine Reise zu dir selbst, zu mehr Selbstakzeptanz und Selbstwertgefühl ist lebenslang. Klar, hier und da legst du mal ein kleines Päuschen am Wegesrand ein und erfreust dich der Umgebung und deinen Eindrücken, aber spätestens am frühen Abend geht es weiter. Es gibt da draußen und auch in dir selbst noch so viel Weiteres zu entdecken, da lohnt es sich kaum, irgendwo einzukehren.

Jetzt könnte man ja fast denken: “Wieso tue ich mir den ganzen Stress denn an?“ Berechtigte Frage.

Meiner Meinung nach zahlen sich all diese Erfahrungen und Eindrücke auf dem Weg in tausendfacher Stärke wieder zurück, auch wenn es manchmal etwas beschwerlich erscheinen mag. Der langfristig viel entspanntere Weg durchs Leben ist die Reise mit all seinen Schwierigkeiten und Herausforderungen anstatt aus Bequemlichkeit und Angst hinter dem heimischen Ofen sitzenzubleiben.

Tim von dubistgenug.de

Denn da schockiert dich schon ein unerwartetes Klopfen an der Tür. Ist das ein Leben? Der unerschrockene und vielgeprüfte Reisende bleibt da ganz entspannt. Er weiß, wer er ist, was er kann und hat vollkommenes Vertrauen in sich, mit jeder Situation fertigzuwerden – auch wenn er momentan keinen blassen Schimmer hat, wie er das bloß wieder anstellen soll. Aber auf dem Weg hat es schon tausende Male geklappt, wieso also nicht ein tausendunderstes Mal? Er weiß durch all die Prüfungen, die er durchlebt hat, dass er genug ist.

Liebe Grüße

Tim

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1 comment

  1. Danke Tim, für diesen lehrreichen Artikel!

    Passend dazu eine kleine Sufi-Geschicht aus Oshos Buch „Eine Wahrheit, viele Wege“:

    Ein König befragte seine Weisen: „Ich lasse mir einen wunderschönen Ring machen. Ich habe die besten Diamanten, die man bekommen kann. Ich möchte in dem Ring eine verborgene Botschaft haben, die mir in Zeiten völliger Verzweiflung helfen kann. Sie muss sehr kurz sein, damit sie unter dem Diamanten des Rings verborgen werden kann.“

    All die Weisen und großen Gelehrten hätten lange Abhandlungen darüber schreiben können. Aber eine kurze Botschaftin nur zwei, drei Worten…
    Sie dachten nach, schauten in ihre Bücher, aber dies erschien ihnen unmöglich.

    Am Hof gab es einen Diener, der schon im Dienste des königlichen Vaters stand. Die Mutter des Königs war frühverstorben.
    Der Diener hatte sich liebevoll um ihn gekümmert. Deshalb wurde er nicht wie ein Diener behandelt. Der König hatte großen Respekt vor ihm.

    Also lies er seinen Diener kommen und befragte ihn. Der alte Mann sagte: „Ich bin kein Weiser, bin nicht gebildet und nicht gelehrt, aber ich kenne die Botschaft. Es gibt nämlich nur eine Botschaft. Diese Männer können sie dir nicht geben. Nur jemand, der sich selbst erkannt hat, kann sie dir geben.

    Während meines langen Lebens im Palast bin ich allen möglichen Menschen begegnet. Habe viel gesehen, erfahren. Wurde immer gut von
    euch behandelt. Als Geste meines Dankes gebe ich euch diese Botschaft.“

    Und er schrieb sie auf einen kleinen Zettel, faltete ihn zusammen und sagte zum König: „Lies sie nicht jetzt. Halte sie in deinem Ring verborgen und öffne sie erst, wenn alles gescheitert ist, wenn es keinen Ausweg mehr gibt.“

    Diese Zeit sollte bald kommen. Das Land wurde überfallen, und der König verlor sein Reich. Er musste auf seinem Pferd fliehen,
    um sein Leben zu retten. Die feindlichen Reiter verfolgten ihn, sie waren in derÜberzahl. Er war ganz alleine. Da kam er an einen Ort, wo der Weg zu Ende war. Vor ihm eine Klippe über einem tiefen Abgrund. Dort hinunterzustürzen, wäre sein Ende gewesen.

    Zurück konnte er wegen der feindlichen Reiter nicht, er hörte bereits die Hufe ihrer Pferde. Es gab keinen anderen Weg.
    Plötzlich erinnerte er sich an den Ring. Er öffnete ihn, nahm den Zettel heraus, und darauf stand eine kurze wertvolle Botschaft:
    „Auch dies wird vorübergehen.“

    Während er den Satz las, wurde er ganz still. „Auch dies wird vorübergehen.“ Und es ging vorüber. Alles geht vorbei. Nichts ist beständig in dieser Welt. Die Feinde, die ihn verfolgt hatten, hatten wohl einen falschen Weg eingeschlagen. Nach einer Weile waren die
    Laute ihrer Hufe nicht mehr zu hören.

    Der König verspürte große Dankbarkeit gegenüber seinem Diener. Diese Worte hatten wie ein Wunder auf ihn gewirkt. Er faltete den Zettel wieder zusammen, steckte ihn zurück in den Ring. Sammelte seine Truppen wieder ein, eroberte sein Reich zurück.

    Der Tag, an dem er siegreich wieder in seine Hauptstadt einzog, wurde in der ganzen Stadt großartig mit Musik und Tanz gefeiert.
    Er war sehr stolz auf sich selbst. Der alte Mann ging neben seinem Wagen her und sagte: „Auch jetzt ist es wieder der richtige Moment.
    Schau die Botschaft noch einmal an.“

    „Was meinst du damit?“ fragte der König. „Jetzt bin ich siegreich. Das Volk feiert mich. Ich bin nicht verzweifelt. Ich bin in keiner auswegslosen Situation.“

    „Hör mir zu,“ sagte der alte Mann. „Diese Botschaft ist nicht nur für Zeiten der Verzweiflung. Sie ist auch für Zeiten der Freude. Sie gilt nicht nur, wenn du Verlierer bist. Sie gilt auch, wenn du Sieger bist. Nicht nur wenn du der Letzte bist, sondern auch wenn du der Erste bist.“

    Der König öffnete seinen Ring und las die Botschaft: „Auch dies wird vorübergehen.“

    Plötzlich überkamihn derselbe Frieden, dieselbe Stille – mitten in der Menge, die jubilierte, feierte und tanzte. Sein Stolz, sein Ego waren verflogen. Alles geht vorüber.

    Er bat seinen alten Diener, in seinen Wagen zu kommen und neben ihm zu sitzen. Er fragte ihn: „Alles geht vorüber. Gibt es noch etwas, was du mir dazu mitteilen möchtest?“

    Der alte Mann sagte: „Vergiss nicht, dass alles vorübergeht. Nur du bleibst, du bleibst ewig als Zeuge.“

    Alles geht vorbei, aber du bleibst. Du bist die Wirklichkeit. Alles andere ist nur ein Traum, ein Schein, eine Momentaufnahme. Es gibt schöne Träume, und es gibt Alpträume. Aber es spielt keine Rolle, ob es ein schöner Traum oder ein Alptraum ist. Was eine Rolle spielt, ist das, was den Traum sieht. Dieses Sehen ist die einzige Wirklichkeit.

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